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Callcenterleistungen: Selbst erbringen oder outsoucen?

von Markus Grutzeck

Wer Kundenservice bieten will, sieht sich immer der Frage gegenüber, welche Leistungen das Unternehmen bieten möchte und ob diese Leistungen vom Unternehmen selbst oder durch externe Dienstleister erbracht werden. Der nachfolgende Artikel möchte hierzu Entscheidungshilfen geben.

Identifizierung von Callcenteraktivitäten

Zunächst stellt sich die Frage, welche Callcenteraktivitäten es überhaupt im Unternehmen gibt. Generell versteht man unter Callcenteraktivitäten Kundendialog in jeglicher Form. Dem nach sind die Begriffe Callcenter, Communication-Center, Customer Interaction Center synonym zu verwenden. Das Callcenter agiert also als Kommunikations- und Informationsknoten im Dialog mit den Kunden. Da jedes Unternehmen Kunden hat, mit denen es kommuniziert, gibt es überall Callcenteraktivitäten. Die Frage ist, wie diese Aktivitäten organisatorisch gegliedert sind. Traditionell gibt es verschiedene Abteilungen, die im Kundendialog stehen: Marketing, Vertrieb, Bestellannahme, Support, ... .

Ablauf Entscheidungsprozess Make-or-Buy-Entscheidugn von Callcenterdienstleistungen

 

Make-or-Buy-Möglichkeiten

Bestimmte Aktivitäten lassen sich aber auch ganz oder teilweise bündeln. Dabei gibt es verschiedene Mischformen. Die Bandbreite reicht dabei von internen Callcenter-Abteilungen, die als Profitcenter geführt werden können, über eigene Tochterunternehmen (integriertes Outsourcing) und Gemeinschaftsunternehmen (kooperatives Outsourcing) bis hin zu externen Dienstleistern. Weiterhin sind Mischformen denkbar, wo z.B. ein externer Dienstleister das Callcenter im Haus des Auftraggebers betreibt oder nur die Technik zur Verfügung stellt (Callcenterhotel).

Outsourcingvarianten Beschreibung
Profitcenter Callcenterleistungen werden intern von einer zentralen Abteilung erbracht
Tochterunternehmen Callcenterleistungen werden in einem rechtlich selbständigen Tochterunternehmen ausgegliedert. Optional kann das Tochterunternehmen auch Dienstleistungen für andere Unternehmen anbieten
Gemeinschaftsunternehmen Callcenterleistungen werden ausgegliedert und durch strategische Allianz gemeinsam mit einem oder mehreren weiteren Unternehmen erbracht
Externe Agentur Callcenterdienstleister übernimmt ganz oder teilweise Callcenteraktivitäten
Formen von Teiloutsourcing: Das Unternehmen betreibt nach wie vor eigene Callcenteraktivitäten
Zeitabhängiges Outsourcing Zeiten, die das interne Callcenter nicht abdeckt, werden durch ein externes Callcenter erbracht. Dies kann z.B. bei einer Hotline das Wochenende oder nachts der Fall sein.
Kapazitätsabhängiges Outsourcing Bestimmte Anrufspitzen werden an ein externes Callcenter weitergeleitet. Damit müssen keine teueren Kapazitäten für das eigene Callcenter aufgebaut werden. Dies ist beispielsweise bei besonderen Marketingmaßnahmen, wie Direct-Response-TV der Fall.
Vermietung von Technik Externe Callcenterdienstleister stellen Technik zur Verfügung. Die Arbeitskräfte werden vom Unternehmen aber selbst gestellt ("Callcenterhotel")
Übergangs-Outsourcing Zeitlich befristeter Test. Damit kann z.B. der Erfolg von Callcenteraktivitäten gemessen werden, bevor in umfangreiche eigene Callcenterinfrastruktur investiert wird.

Sie sehen, es gibt Outsourcing in fast jeder Kombination. Im folgenden beschränken wir uns auf die Entscheidung Make-or-Buy, d.h. Eigenerbringung oder Outsourcing an einen externen Dienstleister.

Outsourcing – eine strategische Frage

Die Outsourcingfrage läßt sich nicht allein auf Kosten reduzieren. Vielmehr ist dies eine strategische Entscheidung. Denn, wenn Ihr Kunde einmal im Jahr anruft und vom externen Dienstleister preiswert aber nicht mit der vom Unternehmen sonst gewohnten Qualität bedient wird, verlieren Sie einen Kunden. Somit muß die Servicequalität mindestens so gut wie bei der selbsterbrachten Dienstleistung sein.

Generell stellt sich die Frage: Sind die Callcenteraktivitäten eine Kernkompetenz des Unternehmens? D.h. entscheidend ist, ob die Callcenteraktivitäten Ihnen einen Differenzierungsvorteil gegenüber Wettbewerbern bieten (strategisch relevant) oder zu einer Verbesserung der Marktpositionierung dienen. Solche Aktivitäten sollten im Unternehmen selbst erbracht werden.
Und sind beide Varianten (Eigenerbringung und Fremdbezug) überhaupt durchführbar? Denn wenn Sie selbst das Know-How nicht besitzen und die zeitlichen oder finanziellen Restriktionen den Aufbau des Know-Hows nicht zulassen, bleibt nur der Fremdbezug.

Bevor Sie diese Fragen nicht geklärt haben, brauchen Sie sich mit weiteren Entscheidungskriterien nicht zu befassen.

Entscheidungskriterien für Make-or-Buy von Callcenteraktivitäten

Know-How-Vorsprung externer Dienstleister

Ein Unternehmen, das sich mit der Make-or-Buy-Entscheidung von Callcenteraktivitäten befaßt, leidet immer unter einem Know-How-Defizit (Principal-Agent-Theorie). Der externe Dienstleister kennt seine Kosten genau. Dem Unternehmen selbst sind zu Beginn aber die eigenen Kosten für den Aufbau eines eigenen Callcenters oftmals nicht bekannt. Damit ist das Callcenter bei ggf. später stattfindenden Vertragsverhandlungen im Vorteil.

Know-How und Technologie

Beim Outsourcing wird das Risiko der Veralterung der eingesetzten Infrastruktur und des Know-Hows auf den Dienstleister übertragen. Andererseits erschwert dies ein späteres Insourcing, d.h. dem Unternehmen fällt es immer schwerer diesen Technologie- und Know-How-Vorsprung aufzuholen und die Callcenterleistung selbst zu erbringen.

Personal

Durch Outsourcing lassen sich ggf. Personalkapazitäten reduzieren bzw. der Aufwand für die eigene Personalrekrutierung und Ausbildung reduzieren. Dienstleister verfügen bereits über kommunikativ gut ausgebildete Mitarbeiter, die nicht durch Betriebsblindheit "geschädigt" sind. Interne Mitarbeiter verfügen hingegen oftmals über mehr Fachkompetenz und einen höheren Grad der Identifikation mit dem eigenen Unternehmen.

Organisation

Die Organisation wird durch einen externen Dienstleister komplexer, da eine weitere Schnittstelle entsteht. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Dienstleister ist für den gemeinsamen Erfolg aber unumgänglich. Neben fachlichen Informationen sind dabei insbesondere auch Informationen über geplante Marketingmaßnahmen notwendig, damit der Dienstleister die entsprechenden Ressourcen vorhalten kann. Wenn Sie Prozesse bislang nicht in Ihrem Unternehmen klar gegliedert und dokumentiert haben, ist dies Grundvoraussetzung für die Implementierung eines Callcenters.

Zeitliche Restriktionen

I.d.R. lassen sich Callcenterleistungen extern schneller erbringen, als wenn diese komplett neu im eigenen Unternehmen aufgebaut werden müssen. Der Dienstleister verfügt über eine betriebsbereite Infrastruktur und Personal. Beides muß das eigene Unternehmen zunächst aufbauen.

Zeitlich befristete Aktionen, wie z.B. besondere Telefonaktionen zur Unterstützung einer Messe, lassen sich durch einen Dienstleister einfacher und schneller abwickeln.

Leistungs- und Servicequalität

Da sich der externe Dienstleister auf Callcenterleistungen spezialisiert hat, liegen die Erfahrungsvorteile klar auf Seiten des Dienstleisters. Die Agenten sind kommunikativ trainiert. Das Projektmanagement hat sehr viel Erfahrungen. All das muss bei einem unternehmensinternen Callcenter zunächst aufgebaut werden. Zu beachten ist, dass aber auch fachlich die Qualität des Dienstleisters mindestens auf dem Niveau des eigenen Unternehmens erfolgt. Denn für die Kunden darf nicht erkennbar sein, dass er hier bei einem Dienstleister anruft und nicht bei dem Unternehmen selbst. Deswegen lohnt die Suche von spezialisierten Dienstleistern für die outzusourcende Callcenterleistung. Gerade kleinere Callcenter weisen oft einen starken Branchenfokus auf, so dass hier auch entsprechende Fachkompetenz beim Personal des Dienstleisters vorhanden ist.

Kosten:

Die Kosten sollten zunächst Restriktion in Form des zu Verfügung stehenden Budgets darstellen und nicht der alles dominierende Entscheidungsfaktor. Für den Dienstleister sprechen Fixkostenvorteile, da Fixkosten für die Infrastruktur beispielsweise auf viele Auftraggeber umgelegt werden können. Aufgrund der Größendegression ergeben sich durch die Vielzahl der Callcenteraktivitäten weitere Kostenvorteile zugunsten des Dienstleisters.

Auswahl des geeigneten Dienstleisters

Ergibt sich in Ihrer Situation unter obigen Gesichtspunkten die Entscheidung des Fremdbezugs, beginnt der Auswahlprozess des geeigneten Dienstleisters. Dazu stehen Ihnen in Deutschland mehr als 2.000 Callcenter zur Verfügung. Damit Sie das für Sie geeignete Callcenter finden, müssen Sie klare Vorstellungen haben, welche Dienstleistungen ein externes Callcenter für Sie innerhalb welcher Zeit erbringen soll. Je klarer Sie Ihre eigenen Bedürfnisse formulieren, umso eher werden Sie konkrete Angebote von Dienstleistern erhalten. Ein Dienstleister hat Kosten für Bereitstellung von Personal, Bereitstellung und Anpassung der Technik, Training des Personals für die von Ihnen vorgegebene Aufgabenstellung, Datenbankdesign, Projektmanagement und vieles mehr. Das billigste Angebot muss deswegen nicht das beste für Sie sein. Denn oft werden Dumpingpreise gemacht, wenn Dienstleister kurz vor dem Aus stehen. Besuchen Sie selbst das externe Callcenter. Sprechen Sie mit Agenten und gewinnen Sie einen eigenen Eindruck von der Qualität der Mitarbeiter, des Projektmanagements, der Technik. Befragen Sie Referenzkunden des Dienstleisters. Denn Sie selbst können im Vorfeld nicht beurteilen, wie gut die Qualität des Callcenters bei Ihrer konkreten Aufgabenstellung sein wird. Bei längerfristigen Projekten kann es sinnvoll sein, zunächst je einen kleineren Auftrag an zwei oder drei Dienstleister zu vergeben und danach die Qualität zu vergleichen. Bei überschaubaren Pilotprojekten kommen Ihnen Callcenterdienstleister oft auch preislich entgegen.

Haben Sie den für Sie idealen Dienstleister gefunden und es tauchen Schwierigkeiten auf, sprechen Sie mit Ihrem Ansprechpartner beim Dienstleister darüber. Viele Dinge lassen sich direkt klären und aus dem Weg räumen. Gelingt das aber nicht, zögern Sie nicht, einen anderen Dienstleister zu beauftragen. Denn es geht um Ihre Kunden.

Hat sich hingegen der Aufbau eines eigenen internen Callcenters als die für Sie richtige Entscheidung herausgestellt, empfiehlt es sich, einen im Callcenterbereich erfahrenen Berater mit ins Boot zu nehmen. Das spart einerseits teures Lehrgeld und hilft auch in überschaubarer Zeit zum Erfolg zu kommen. Denn Technik, Organisation, Personal und Umfeld bilden die Grundlagen für ein erfolgreiches eigenes Callcenter. Oft kommt bei der Implementierung ein Punkt zu kurz und stellt den Gesamterfolg des Projektes in Frage.

Weiterführende Infos:

 

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Stand: 10.09.08