Adressmanagementsoftware -
Wie organisiere ich das Chaos?
von
Markus Grutzeck
In der letzten Folge haben Sie gelernt,
welchen Nutzen effektiv gesammelte Kundeninformationen bieten können.
Doch diese Informationen wollen verwaltet werden. War früher der
Karteikasten das klassische Werkzeug, so unterstützt heute der
Computer diese Arbeit.
Dabei lassen sich verschiedene
Aufgabengebiete unterscheiden:
- Verwaltung von Daten (Datenbank)
- Aktualisierung und Veredelung von
Daten
- Datenquellen (Adress-CD´s,
Visitenkartenscanner, ...)
- Weiterverarbeitung von Adressen

Verwaltung von Daten
Wenn Sie 50 Adressen verwalten, läßt
sich dies noch mit Visitenkartenbüchlein realisieren. Aber
ergänzende Informationen, was mit dem Kunden besprochen wurde, lassen
sich auf einer Visitenkarte schlecht unterbringen.
Fortschrittlicher ist hier bereits die
Karteikarte. Der Vertriebsmitarbeiter schreibt die Karte
kontinuierlich fort. Schwierig wird es, wenn bestimmte Kundengruppen
aus dem Gesamtpool von Tausenden Karteikarten herausgesucht werden
sollen.
Dafür gibt es spezielle
Adressmanagementsoftware. Darunter versteht man Lösungen, die
einerseits die Adressdaten nebst Zusatzinformationen vorhalten. Also
die Aufgabe eines "Datenbehälters" übernehmen.
Andererseits auch über Funktionen verfügen, die die Verwaltung der
Kontakte vereinfachen.
Um die Adressdaten zu speichern, kommen
Datenbanken, quasi als Kern der Adressmanagementlösung zum Einsatz.
Diese Datenbank limitiert die maximal speicherbare Anzahl von
Adressen. Sie sollten also im Vorfeld überlegen, ob Ihr Adressbestand
1.000, 10.000, 100.000 oder weit mehr als eine Millionen Adressen
umfassen wird. Denn damit scheiden einige Datenbanken von vorneherein
bereits aus.
Aus Datenschutz und den Abläufen in
Unternehmen ist es nicht gewünscht, dass jeder Benutzer auf jede
Information zugreifen kann. Dafür sorgt die Benutzerverwaltung der
Adressmanagementsoftware. Felder oder Teile der Datenbank lassen sich
sperren, nur lesend oder im Schreibzugriff öffnen. Auch Funktionen
lassen sich darüber für bestimmte Anwender deaktivieren, so dass
z.B. keine Datensätze gelöscht oder exportiert werden können.

Wie kommen die Adressen in das System?
Dazu zählen flexible Import- und
Exportmöglichkeiten. Denn niemand möchte die Kontakte alle per Hand
neu erfassen. Oftmals liegen Datenbestände, wenn auch z.T. veraltet
oder nur in Fragmenten, bereits in anderen Applikationen, wie z.B.
MS-Excel oder MS-Outlook, vor.
Wenn Sie regelmäßig Daten aus anderen
Adressquellen einspielen, achten Sie auf eine Importmöglichkeit, bei
der nur ein Update der importierten Daten durchgeführt wird.
Beispiel: Neben der Adressmanagementsoftware, in der Kunden,
Lieferanten, Interessenten und sonstige Kontakte gespeichert sind,
haben Sie i.d.R. eine Faktura oder Warenwirtschaft. Da ist es
natürlich interessant, regelmäßig die aktuellsten Umsatzdaten aus
der Warenwirtschaft in die Adressmanagementsoftware zu importieren.
Über einen eindeutigen Schlüssel, z.B. die Kunden-Nr. aus der
Warenwirtschaft, findet der Import immer wieder den korrekten
Datensatz und importiert nur die aktuellen Umsatzzahlen aus der
Warenwirtschaft. Damit ist nicht jeder importierte Datensatz ein neuer
Kontakt und führt somit zwangsweise zu unzähligen Dubletten.
Und Sie verwalten die Kontakte ja nicht
um Ihrer selbst, sondern Sie wollen mit den Kontakten arbeiten. Also
brauchen Sie auch flexible Exportfunktionen.
Recherche und Statistik
Damit Sie Kontakte rasch selektieren
können, verfügen Adressmanagementlösungen über umfangreiche
Recherchemöglichkeiten. Jedes Feld sollte, auch über logische
Verknüpfungen, frei selektierbar sein. Also z.B. alle Kunden im
PLZ-Gebiet 6, die seit einem Jahr nicht mehr angefaßt wurden und das
Produkt XY von uns im Einsatz haben. Das würde bedeuten, dass es ein
Feld zur Klassifizierung der Kunden geben muß. Die PLZ ist durch die
Erfassung der Anschrift zwangsweise vorhanden. Es muß ein Feld zur
Erfassung der im Einsatz befindlichen Produkte vorhanden sein. Sie
sehen, wie wichtig es ist, dass Sie das Datenbanklayout, also die
Eingabefelder, selbst bestimmen und ergänzen können. Achten Sie also
beim Anschaffen einer Adressmanagementlösung darauf, dass Sie einfach
die Datenbankstruktur verändern oder erweitern können.

Über Statistikfunktionen lassen sich
leicht Dateninhalte transparent machen. Wenn Sie z.B. ein Feld
"Aktueller Betreuer" in Ihrer Vertriebsdatenbank haben und
dies statistisch auswerten, sehen Sie auf einen Blick, ob die
Verteilung der Leads auf die einzelnen Vertriebsmitarbeiter ungefähr
gleichmäßig ist. Interessant ist auch einen statistische Auswertung
nach dem letzten Änderungsdatum der Kontakte. Oftmals entdeckt man
zahlreiche unbearbeitete Kontakte, die in der Datenbank vor sich hin
schlummern und zunehmend veralten.
Adressqualität erhalten
Um die Qualität der Adressen zu
gewährleisten, bietet Adressmanagementsoftware oftmals einen
Dublettencheck. Damit werden doppelte Adressen im Datenbestand
identifiziert und ggf. eleminiert. Bei den Verfahren zum Erkennen
doppelter Adressen gibt es große Unterschiede. Bewährt haben sich
Verfahren, die auf Phonetik aufbauen, also sicher "Meier",
"Maier", "Meyer", ... erkennen können. Rein
zeichenbasierte Abgleichverfahren versagen hier oftmals.
Wenn Sie mit mehreren Filialen,
Niederlassungen oder mobilen Außendienstmitarbeitern arbeiten, ist
eine Synchronisationsfunktion wirkungsvoll, die die unterschiedlichen
Adressbestände nach frei definierbaren Regeln abgleicht.
Auf externe Möglichkeiten der
Anreicherung und Aktualisierung von Adressdatenbeständen wurde
bereits in der ersten Folge dieses Artikels eingegangen.
Weiterverarbeitung von Adressen
Einzelbriefe , -faxe, ...
Je nach Anwendungsgebiet wollen Sie die
Kontakte weiter bearbeiten.
Im einfachsten Fall möchten Sie
einfach einen Brief schreiben. Dazu gibt es Lösungen, die die
Anschrift einfach über die Zwischenablage in die Textverarbeitung
übergeben bis hin zu Lösungen, die auf Knopfdruck einen kompletten
Brief erzeugen, auf Wunsch direkt ausdrucken und das erzeugte Dokument
direkt bei der Empfängeradresse archivieren.
Analog lassen sich Faxe oder Emails
erzeugen.
Serienbrieffunktion
Im Direktmarketing spielen Mailings
eine wichtige Rolle. Hierfür bieten Adressmanagementlösungen fertige
Steuerdateien für die Serienbrieffunktionen der gängigen
Textverarbeitungen, wie z.B. MS-Word. Hilfreich ist eine integrierte
Porto-Optimierung für die Deutsche Post AG für die Tarife Infopost
und Infobrief. Dadurch lassen sich Versandkosten sparen und
Zielgruppen optimieren. Wenn Sie also z.B. nicht die
Mindestempfängermenge von 250 erreichen und eh draufzahlen müssen,
finden sich in einer gut gepflegten Kundendatenbank sicherlich noch
der ein- oder andere Kontakt, der das Mailing auch erhalten könnte.

Unter Zuhilfenahme von
Kommunikationssoftware lassen sich über die Serienbrieffunktion auch
personifizierte Serienemails oder Serienfaxe realisieren.
Manuelle Eingabe / Oberflächengestaltung
Je nach Einsatzgebiet werden Sie
unterschiedliche Anforderungen an die Möglichkeiten der Dateneingabe
stellen. Ein Außendienstmitarbeiter möchte seine letzten
Gesprächsinformationen eingeben. Er braucht also Platz für eine
Kontakthistorie und individuelle Eintragungen.
Auf einer Messe oder
Verkaufsveranstaltung sind innerhalb einer kurzen Zeit sehr viele
Adressen zu erfassen. Hier ist eine rasche Eingabemöglichkeit durch
fest definierte Eingabemasken, ggf. mit Plausibilitätsprüfungen, von
Vorteil.
Weitere Module
Oft gibt es für
Adressmanagementlösungen weitere Funktionen und Module. Dabei ist der
Übergang zu Vertriebssoftware (CRM) nicht klar abgrenzbar. So gibt es
z.B. Lösungen mit Termin- und Aufgabenmanagement für ein gesamtes
Unternehmen, integrierte Routenplaner – damit der Außendienstler
seine Routen optimiert planen kann, CTI-Integration bis hin zum Ausbau
für komplette Callcenter, direkte Anbindung an Warenwirtschaften uvm.
Entscheidungsgrundlage
Wichtig ist, dass Sie sich zunächst
klare Ziele setzen, was Sie mit dem Einsatz einer
Adressmanagementlösung erreichen möchten. Dann sollten Sie Ihr
Unternehmen und Ihre Mitarbeiter nach Adressbeständen durchforsten.
Diese Daten müssen normiert, integriert und aktualisiert werden. Denn
die beste Adressmanagementlösung ist nur so gut wie die darin
enthaltenen Daten. Dann sollten Sie aus den Zielen, Anforderungen und
Funktionen der Adressmanagementsoftware ableiten. Jetzt lohnt es sich,
sich einen Marktüberblick zu verschaffen. Von vielen Lösungen gibt
es kostenlose Testversionen, so dass Sie die besten drei Lösungen
einfach mal in einem Pilotprojekt ausprobieren können. Beziehen Sie
dabei spätere Anwender und Kritiker mit ein, so dass Sie von vorne
herein eine hohe Benutzerakzeptanz erreichen.

Und dann testen Sie ausführlich mit
Ihren echten Daten. Aus den gewonnenen Erfahrungen führen Sie dann
die für Sie am besten geeignete Lösung ein. Ich wünsche Ihnen dabei
viel Erfolg!
Entscheidungskriterien für
Adressmanagementsoftware
|
Beitrag zur Zielerreichung in % |
Funktion |
Anbieter A |
Anbieter B |
Anbieter C |
| |
Max. Anzahl zu verwaltender
Adressen |
|
|
|
| |
Importfunktion |
|
|
|
| |
Import nur Update |
|
|
|
| |
Exportfunktion |
|
|
|
| |
Auswertungsmöglichkeiten über
alle Felder
– Geschwindigkeit mit Realdaten
– Logik
– Suchen leerer / gefüllter Felder
- .... |
|
|
|
| |
Statistikfunktion |
|
|
|
| |
Benutzerverwaltung:
- für Daten
– für Funktionen |
|
|
|
| |
Dublettencheck, phonetisch |
|
|
|
| |
Wie leicht kann ein Brief
geschrieben werden? |
|
|
|
| |
Dokumentenarchivierung |
|
|
|
| |
Serienbrieffunktion |
|
|
|
| |
Integrierte Porto-Optimierung |
|
|
|
| |
Integrierte CTI-Funktionalität |
|
|
|
| |
Flexibel anpassbare Datenbank
– ergänzen neuer Felder
– Welche Feldtpyen stehen zur
Verfügung
- wie einfach geht das |
|
|
|
| |
Programmierschnittstelle für
individuelle Erweiterungen / Anbindungen |
|
|
|
| |
Weiter angebotene Module und
Relevanz für Ihre Ziele |
|
|
|
|