Alle wollen nur das eine: Mehr Antworten. Aber was nützt Ihnen eine Anfrage von jemandem, der später sowieso nicht kauft? Ich werde Ihnen heute darlegen, wie Sie weniger Anfragen erhalten, aber genau so viele Aufträge: indem Sie die schlechten Anfragen gezielt vermeiden, durch den Einsatz von sogenannten Filtern. Im zweiten Teil sage ich Ihnen dann, was Sie unbedingt in Ihrem Mailing vermeiden sollten. Diese Dinge nenne ich Dämpfer. Dämpfer senken allgemein die Antwortquote, ohne dabei gezielt die schlechten Anfragen wegzufiltern.
Ich habe dieses Wort von Prof. Vögele entlehnt. Aber Vorsicht: Er nennt alles, was die Antwortquote senkt, immer Filter. Ich hingegen bezeichne mit diesem Wort nur die Maßnahmen, die eine selektive Wirkung haben: Die gezielt solche Leute von der Reaktion abhalten, die später ohnehin nicht kaufen werden.
| Wann sollte man Filter nicht einsetzen? |
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| Wann sollte man den Einsatz
von Filtern erwägen? |
Ein Filter ist eine Hürde, die dem Antwortwilligen in den Weg gelegt wird. Aber nicht irgendeine! Stimmen Sie Ihren Filter auf das entscheidende Kauf-Hemmnis ab auf den Grund, der die meisten Interessierten vom späteren Kauf abhält. Ihr Filter muß sozusagen eine Miniaturausgabe des Kauf-Hemmnisses sein. Wer dieses kleine Hemmnis überwindet, schafft auch das große leichter. Wenn sich die Leute bei Ihrem Produkt sagen "Schön, aber soll ich dafür wirklich Geld ausgeben?", dann filtern Sie nach Investitionsbereitschaft, indem Sie eine Schutzgebühr für die Info oder den Besuch nehmen. Erfordert Ihr Produkt spezielle Fachkenntnisse, streuen Sie im Mailing oder noch besser auf der Antwortkarte ein paar Fachbegriffe ein, die ein Fachmann leicht versteht (leicht!), ein Laie aber nicht.
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| Filtern nach Willen, Geld auszugeben: Schutzgebühr. Z.B.: Der Otto-Katalog. | Wenn sie ihn am Kiosk kaufen, kostet
er DM 7. Der Katalog ist aber viel teurer in der
Herstellung, und der Kiosk will auch noch
verdienen. Da im Falle einer Bestellung die DM 7
sogar angerechnet werden, legt der Otto-Versand
drauf. Sinn der DM 7 ist hier also nicht, Geld
einzunehmen: In erster Linie sollen alle wenig
Interessierten davon abgehalten werden, sich den
Katalog zu holen. Nur wer auch ein gewisses
Interesse an einer Bestellung hat, soll
zugreifen. Hier wird nach der Bereitschaft
gefiltert, Geld auszugeben. Durch die
Schutzgebühr-Anrechnung ist die Hürde für
Menschen mit Bestellabsichten minimal, andere
kaufen sich für DM 7 lieber zwei
Fernsehzeitschriften. Eine Schutzgebühr ist der am häufigsten eingesetzte Filter, und für viele Anwendungen ist sie auch der sinnvollste. Es gibt aber zwei Anwendungen, wo sie sie nicht einsetzen sollten:
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| Filtern nach Kenntnissen: Volkshochschule | Konversationskurse für
Fremdsprachen machen nur Freude, wenn alle
Teilnehmer einigermaßen mitreden können. Für
die Volkshochschulen ist es daher wichtig, nach
Vorkenntnissen zu filtern. Dies geschieht, indem
die Beschreibungen der Kurse in
(anspruchsvollerem) Englisch gehalten werden:
"We assume you have a profund knowledge of
contemporary English..." Dieses Filtern nach Kenntnissen können Sie auch im technischen Bereich einsetzen. Wenn Ihr Prospekt von Fachwörtern nur so strotzt, kann es sich lohnen, schon beim Mailing nach technischem Sachverstand zu filtern. Dies tun Sie, indem Sie an einer wichtigen Stelle des Mailings (z.B. in der Überschrift) ein paar Fachworte einstreuen, die der Fachmann leicht versteht, der Laie aber nicht. Bleiben Sie ansonsten beim einfachen Stil: Keine schwierige Grammatik, keine Fremdwörter außerhalb des Fachbereichs. "Weniger Power-Drain durch neue GALs" wäre ein gutes Beispiel aus der Elektronik, "Den CPO glatt halbieren" eines aus dem Marketing. |
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| Filtern nach Bereitwilligkeit, Zeit zu investieren: Kostenlose Fachzeitschriften | Statt einfach die Antwortkarte abzuschicken "Ja, ich bin EDV-Fachhändler. Bitte schicken Sie mir kostenlos..." muß der Antwortende meist einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Dies ist natürlich auch wichtig für die Leseranalyse; außerdem werden den Aufwand aber nur solche Fachhändler treiben, die ernsthaftes Interesse an der Zeitschrift haben. Teilweise befinden sich die Fragebögen auch in der Heftmitte, so daß nur der auf den Fragebogen trifft, der das Heft zumindest aufgeschlagen hat. | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Filtern nach gesellschaftlicher Schicht: Galerien zur Vernissage | Auf der Einladung: "Bitte
erscheinen Sie in Abendgarderobe". Dies
dient nicht nur dazu, einen festlichen Rahmen zu
schaffen; es hält außerdem
"Einladungs-Abstauber" fern, die wegen
des Buffets kommen wollen, sich aber die Bilder
nicht leisten können. Und hier noch ein paar Ideen: |
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| Filtern durch Nennen von Nachteilen | Wenn Ihr Produkt einen sehr engen
Anwendungsbereich hat, können Sie im Anschreiben
ganz klar herausstellen, wofür man das Produkt
gebrauchen kann und wofür nicht. Bei technischen
Geräten hat das eine gute Filterwirkung, sogar
mit angekoppeltem Verstärker für
diejenigen, die tatsächlich genau diesen
Anwendungsbereich brauchen. Wenn Sie eine Immobilie verkaufen möchten, die Nachteile hat, z.B. renovierungsbedürftig, Disco im Erdgeschoß, keine Parkmöglichkeit, dann erwähnen Sie diese Nachteile und bringen Sie im gleichen Satz einen Vorteil: "renovierungsbedürftig, daher so günstig: Ein echtes Schnäppchen für Heimwerker." |
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| Filtern für Außendienst-Besuch | Außendienst-Besuche sind teuer. Man
rechnet ca. 250 DM im Mittel, manche Unternehmen
geben auch DM 1000 aus (Fahrtkosten,
Personalkosten, Bewirtung,...). Wenn Sie nun auch
noch ein kleines Geschenk versprechen, das der
Außendienst mitbringt, erhalten Sie mit
Sicherheit einige Anfrager, die eigentlich nur
das Geschenk wollen, sich aber sehr wenig für
Ihr Produkt interessieren. Sie sollten also einen
Filter einsetzen. Nur welchen? Eine Schutzgebühr
können Sie kaum nehmen. Hier mein Vorschlag:
Lassen Sie die Kunden in eigenen Worten
(wenige Zeilen genügen) ihr Problem mit der
derzeitigen Anlage / dem derzeitigen Werkstoff /
dem derzeitigen Lieferanten schildern. Statt
"Problem" sollten Sie es vielleicht
besser "Grund, warum wir einen Wechsel
erwägen" nennen. Wer wirklich ein Problem
hat, dem gehen diese Zeilen leicht von der Hand.
Ist jemand 100% zufrieden, wird er vermutlich
nicht antworten, oder er schreibt direkt auf die
Antwort "kein Grund vorhanden". In
solchen Fällen könnten Sie anrufen, nochmals
nachfragen, und eventuell statt des
Außendienstes nur das Geschenk vorbeischicken. Lohnt sich der Einsatz von Filtern? Kann sein. Hier eine Beispielrechnung:
Dies ist natürlich nur ein Beispiel. Den Einsatz von Filtern sollten Sie gut überlegen. Es kann Ihnen nämlich durchaus passieren, daß Sie die Reaktionsquote nicht halbieren, sondern auf ein Zehntel reduzieren. Und selbst wenn dann jeder Anfrager kauft, hat sich der Filter-Einsatz nicht gerechnet. Am besten sollten Sie mit einer kleineren Mailingmenge erst testen. Auch hier möchte ich nochmals betonen, daß es sich in der Regel mehr lohnt, Aufwand in die Zielgruppen-Auswahl zu investieren, als das Mailing zu optimieren. Wenn Sie also statt "Adressen aus der D-Info" gezielt Postkäufer ansprechen, wird Ihnen das vermutlich deutlich mehr bringen als eine Schutzgebühr. Für die Einladung zur Vernissage sind Abonnenten von Kunst-Zeitschriften besser als "Privatadressen hohe Kaufkraftklasse". Prüfen Sie also bei zu geringer Umwandlungsquote Interessenten à Käufer zunächst, ob Sie Ihre Adreßauswahl verbessern können. Falls Sie dort keine Verbesserungsmöglichkeit finden, sind Filter ein interessanter zweiter Ansatz. |
Während Sie den Einsatz von Filtern erwägen könnten, sollten Sie Dämpfer immer vermeiden. Dämpfer senken die Antwortquote, ohne dabei die Qualität der Anfragen zu erhöhen.
| Hier die wichtigsten Dämpfer: |
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Die Vermeidung dieser Dämpfer ist einfach: Gehen Sie Ihr Mailing wie mit einer Checkliste durch. Dem geringen Aufwand steht ein erheblicher Gewinn an Reaktionen entgegen, falls Sie tatsächlich einen dieser Dämpfer finden und ausmerzen.