Weniger Response, mehr Erfolg?
Filter und Dämpfer im Mailing.


Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von:
Carsten Kraus, Geschäftsführer von Omikron Soft + Hardware GmbH

Alle wollen nur das eine: Mehr Antworten. Aber was nützt Ihnen eine Anfrage von jemandem, der später sowieso nicht kauft? Ich werde Ihnen heute darlegen, wie Sie weniger Anfragen erhalten, aber genau so viele Aufträge: indem Sie die schlechten Anfragen gezielt vermeiden, durch den Einsatz von sogenannten Filtern. Im zweiten Teil sage ich Ihnen dann, was Sie unbedingt in Ihrem Mailing vermeiden sollten. Diese Dinge nenne ich Dämpfer. Dämpfer senken allgemein die Antwortquote, ohne dabei gezielt die schlechten Anfragen wegzufiltern.

Filter

Ich habe dieses Wort von Prof. Vögele entlehnt. Aber Vorsicht: Er nennt alles, was die Antwortquote senkt, immer Filter. Ich hingegen bezeichne mit diesem Wort nur die Maßnahmen, die eine selektive Wirkung haben: Die gezielt solche Leute von der Reaktion abhalten, die später ohnehin nicht kaufen werden.

Wann sollte man Filter nicht einsetzen?
  • wenn Sie direkt mit dem Mailing verkaufen, sind Filter unsinnig. Nur wenn zunächst Infos angefordert werden, und erst im nächsten Schritt verkauft wird, machen Filter überhaupt Sinn
  • Wenn die meisten Anfrager sowieso kaufen, brauchen Sie keinen Filter.
  • Wenn Ihre zweite Stufe wenig aufwendig ist. Die nächste Stufe sollte mindestens zehnmal teurer sein als die erste, sonst wird sich der Einsatz von Filtern vermutlich nicht lohnen.


Wann sollte man den Einsatz von Filtern erwägen?
  • Wenn die nächste Stufe teuer ist (dicker Katalog, Telefonmarketing, Außendienstbesuch)
  • Wenn nur ein kleiner Teil der Anfrager kauft.
  • insbesondere dann, wenn Sie die Antwort durch "Gratis-Geschenke" oder durch Verlosungen besonders reizvoll machen: Wenn Sie nicht aufpassen, interessiert sich der Kunde gar nicht für Ihren Katalog, sondern nur für das Geschenk – den Katalog wirft er sofort in die Mülltonne.

Ein Filter ist eine Hürde, die dem Antwortwilligen in den Weg gelegt wird. Aber nicht irgendeine! Stimmen Sie Ihren Filter auf das entscheidende Kauf-Hemmnis ab – auf den Grund, der die meisten Interessierten vom späteren Kauf abhält. Ihr Filter muß sozusagen eine Miniaturausgabe des Kauf-Hemmnisses sein. Wer dieses kleine Hemmnis überwindet, schafft auch das große leichter.

Wenn sich die Leute bei Ihrem Produkt sagen "Schön, aber soll ich dafür wirklich Geld ausgeben?", dann filtern Sie nach Investitionsbereitschaft, indem Sie eine Schutzgebühr für die Info oder den Besuch nehmen. Erfordert Ihr Produkt spezielle Fachkenntnisse, streuen Sie im Mailing oder noch besser auf der Antwortkarte ein paar Fachbegriffe ein, die ein Fachmann leicht versteht (leicht!), ein Laie aber nicht.


Im Folgenden ein paar bewährte Beispiele aus der Praxis:

Filtern nach Willen, Geld auszugeben: Schutzgebühr. Z.B.: Der Otto-Katalog. Wenn sie ihn am Kiosk kaufen, kostet er DM 7. Der Katalog ist aber viel teurer in der Herstellung, und der Kiosk will auch noch verdienen. Da im Falle einer Bestellung die DM 7 sogar angerechnet werden, legt der Otto-Versand drauf. Sinn der DM 7 ist hier also nicht, Geld einzunehmen: In erster Linie sollen alle wenig Interessierten davon abgehalten werden, sich den Katalog zu holen. Nur wer auch ein gewisses Interesse an einer Bestellung hat, soll zugreifen. Hier wird nach der Bereitschaft gefiltert, Geld auszugeben. Durch die Schutzgebühr-Anrechnung ist die Hürde für Menschen mit Bestellabsichten minimal, andere kaufen sich für DM 7 lieber zwei Fernsehzeitschriften.

Eine Schutzgebühr ist der am häufigsten eingesetzte Filter, und für viele Anwendungen ist sie auch der sinnvollste. Es gibt aber zwei Anwendungen, wo sie sie nicht einsetzen sollten:

  1. Wenn Sie eine Schutzgebühr mit einem Gewinnspiel oder mit einem Geschenk als Verstärker kombinieren, ist dies rechtlich nicht gestattet. (Fragen Sie in Grenzfällen Ihren Rechtsanwalt).
  2. Wenn Sie Mitarbeiter in größeren Firmen anschreiben, müssen diese selbst kleinste Beträge (z.B. DM 7) genehmigen lassen. Hier sollten Sie sehr vorsichtig mit Schutzgebühr-Filtern sein. Wenn Sie trotzdem eine Schutzgebühr einsetzen, darf diese auch DM 20 oder DM 50 betragen, während bei Privatpersonen DM 10 eher die Höchstgrenze darstellt.
Filtern nach Kenntnissen: Volkshochschule Konversationskurse für Fremdsprachen machen nur Freude, wenn alle Teilnehmer einigermaßen mitreden können. Für die Volkshochschulen ist es daher wichtig, nach Vorkenntnissen zu filtern. Dies geschieht, indem die Beschreibungen der Kurse in (anspruchsvollerem) Englisch gehalten werden: "We assume you have a profund knowledge of contemporary English..."

Dieses Filtern nach Kenntnissen können Sie auch im technischen Bereich einsetzen. Wenn Ihr Prospekt von Fachwörtern nur so strotzt, kann es sich lohnen, schon beim Mailing nach technischem Sachverstand zu filtern. Dies tun Sie, indem Sie an einer wichtigen Stelle des Mailings (z.B. in der Überschrift) ein paar Fachworte einstreuen, die der Fachmann leicht versteht, der Laie aber nicht. Bleiben Sie ansonsten beim einfachen Stil: Keine schwierige Grammatik, keine Fremdwörter außerhalb des Fachbereichs. "Weniger Power-Drain durch neue GAL’s" wäre ein gutes Beispiel aus der Elektronik, "Den CPO glatt halbieren" eines aus dem Marketing.

Filtern nach Bereitwilligkeit, Zeit zu investieren: Kostenlose Fachzeitschriften Statt einfach die Antwortkarte abzuschicken "Ja, ich bin EDV-Fachhändler. Bitte schicken Sie mir kostenlos..." muß der Antwortende meist einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Dies ist natürlich auch wichtig für die Leseranalyse; außerdem werden den Aufwand aber nur solche Fachhändler treiben, die ernsthaftes Interesse an der Zeitschrift haben. Teilweise befinden sich die Fragebögen auch in der Heftmitte, so daß nur der auf den Fragebogen trifft, der das Heft zumindest aufgeschlagen hat.
Filtern nach gesellschaftlicher Schicht: Galerien zur Vernissage Auf der Einladung: "Bitte erscheinen Sie in Abendgarderobe". Dies dient nicht nur dazu, einen festlichen Rahmen zu schaffen; es hält außerdem "Einladungs-Abstauber" fern, die wegen des Buffets kommen wollen, sich aber die Bilder nicht leisten können.

Und hier noch ein paar Ideen:

Filtern durch Nennen von Nachteilen Wenn Ihr Produkt einen sehr engen Anwendungsbereich hat, können Sie im Anschreiben ganz klar herausstellen, wofür man das Produkt gebrauchen kann und wofür nicht. Bei technischen Geräten hat das eine gute Filterwirkung, sogar mit angekoppeltem Verstärker für diejenigen, die tatsächlich genau diesen Anwendungsbereich brauchen.

Wenn Sie eine Immobilie verkaufen möchten, die Nachteile hat, z.B. renovierungsbedürftig, Disco im Erdgeschoß, keine Parkmöglichkeit, dann erwähnen Sie diese Nachteile und bringen Sie im gleichen Satz einen Vorteil: "renovierungsbedürftig, daher so günstig: Ein echtes Schnäppchen für Heimwerker."

Filtern für Außendienst-Besuch Außendienst-Besuche sind teuer. Man rechnet ca. 250 DM im Mittel, manche Unternehmen geben auch DM 1000 aus (Fahrtkosten, Personalkosten, Bewirtung,...). Wenn Sie nun auch noch ein kleines Geschenk versprechen, das der Außendienst mitbringt, erhalten Sie mit Sicherheit einige Anfrager, die eigentlich nur das Geschenk wollen, sich aber sehr wenig für Ihr Produkt interessieren. Sie sollten also einen Filter einsetzen. Nur welchen? Eine Schutzgebühr können Sie kaum nehmen. Hier mein Vorschlag: Lassen Sie die Kunden in eigenen Worten (wenige Zeilen genügen) ihr Problem mit der derzeitigen Anlage / dem derzeitigen Werkstoff / dem derzeitigen Lieferanten schildern. Statt "Problem" sollten Sie es vielleicht besser "Grund, warum wir einen Wechsel erwägen" nennen. Wer wirklich ein Problem hat, dem gehen diese Zeilen leicht von der Hand. Ist jemand 100% zufrieden, wird er vermutlich nicht antworten, oder er schreibt direkt auf die Antwort "kein Grund vorhanden". In solchen Fällen könnten Sie anrufen, nochmals nachfragen, und eventuell statt des Außendienstes nur das Geschenk vorbeischicken.

Lohnt sich der Einsatz von Filtern? Kann sein. Hier eine Beispielrechnung:

  Ohne Filter Mit Filter
Empfängeranzahl Stufe (DIN-lang-Info 20.000 20.000
Kosten je ausgesendetem Package 1,20 DM 1,20 DM
Kosten Stufe 1 gesamt 24.000,00 DM 24.000,00 DM
Antworten Stufe 1 (Anfragen) entspricht Empfängeranzahl Stufe 2 (Telefonmarketing) 2.000 1.000
Kosten je Telefonmarketing-Kontakt 12,00 DM 12,00 DM
Kosten Stufe 2 gesamt 24.000,00 DM 12.000,00 DM
     

Kosten Stufe 1 + Stufe 2

48.000,00 DM

36.000,00 DM

Antworten Stufe 2 (Aufträge)

400

350

Kosten je Auftrag

120,00 DM



Dies ist natürlich nur ein Beispiel. Den Einsatz von Filtern sollten Sie gut überlegen. Es kann Ihnen nämlich durchaus passieren, daß Sie die Reaktionsquote nicht halbieren, sondern auf ein Zehntel reduzieren. Und selbst wenn dann jeder Anfrager kauft, hat sich der Filter-Einsatz nicht gerechnet. Am besten sollten Sie mit einer kleineren Mailingmenge erst testen.

Auch hier möchte ich nochmals betonen, daß es sich in der Regel mehr lohnt, Aufwand in die Zielgruppen-Auswahl zu investieren, als das Mailing zu optimieren. Wenn Sie also statt "Adressen aus der D-Info" gezielt Postkäufer ansprechen, wird Ihnen das vermutlich deutlich mehr bringen als eine Schutzgebühr. Für die Einladung zur Vernissage sind Abonnenten von Kunst-Zeitschriften besser als "Privatadressen hohe Kaufkraftklasse".

Prüfen Sie also bei zu geringer Umwandlungsquote Interessenten à Käufer zunächst, ob Sie Ihre Adreßauswahl verbessern können. Falls Sie dort keine Verbesserungsmöglichkeit finden, sind Filter ein interessanter zweiter Ansatz.

Dämpfer

Während Sie den Einsatz von Filtern erwägen könnten, sollten Sie Dämpfer immer vermeiden. Dämpfer senken die Antwortquote, ohne dabei die Qualität der Anfragen zu erhöhen.

Hier die wichtigsten Dämpfer:
  • keine Antwortkarte (bzw. kein Fax-Antwortschein im Geschäfts-Umfeld). Senkt Ihre Reaktionsquote um bis zu 80% (!). Jedes Mailing muß ein Antwortmittel haben. Ein Antwortmittel ist der wichtigste Bestandteil eines Mailings!
  • Falsches Antwortmittel: Für Privatpersonen empfiehlt sich immer noch die Antwortkarte, Führungskräfte in Firmen wollen aber nur zu 7% per Karte antworten, 62% ziehen das Fax vor. Also bei Mailings an Firmen unbedingt Fax-Antwortschein beilegen. Falls Sie vertrauliche Daten erfragen (Kreditvermittlung, ...) sollten Sie statt der Antwortkarte einen Antwortschein und den passenden Umschlag beilegen.
  • Falsche Telefon-Antwortzeit. Z.B. beim Anschreiben von Berufstätigen an deren Privatadresse: Wenn um 18 Uhr Ihre Telefone nicht mehr besetzt sind, sehen Sie das Telefon möglichst nicht als Hauptantwortmittel vor. Im Mailing an Firmen muß spätestens um 9 Uhr Ihr Telefon besetzt sein, denn direkt nach dem Öffnen der Post ist die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion am größten. (Ein englischer Software-Hersteller mit deutscher 0130-Leitung läßt sich etliche Reaktionen entgehen, weil sein Call-Center in England die Telefone annimmt und eine Stunde Zeitverschiebung herrscht.)
  • Ständig besetzte Telefone. Wenn Sie verhältnismäßig große Mailings machen, die Ihre Telefonannahme überlasten könnten, dann schalten Sie ein externes Call-Center hinzu. Falls Ihr Mailing das zuläßt, können Sie auch das Mailing in zwei, drei oder mehr Teilaussendungen verschicken, die Sie jeweils im Wochenabstand aussenden (während schriftliche Reaktionen oft noch nach zwei Wochen erfolgen, erhalten Sie die meisten telefonischen Reaktionen auf ein Mailing innerhalb der ersten vier Tage – das gilt natürlich nicht für einen Katalog, sondern nur für ein Einzel-Mailing).
  • Gleiches gilt für Fax: Wenn das Faxgerät des Reagierers dreimal nicht durchkommt, weil Ihre Leitung besetzt ist, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine Anfrage weniger. Auch hier gibt es Dienstleister, die größere Mengen Faxe für Sie annehmen.
  • Falsche Telefon- oder Faxnummer. Klingt banal, aber ich kenne einen Fall, wo bei einer 50000er-Auflage tatsächlich eine falsche Faxnummer eingedruckt war. Unbedingt nochmals kontrollieren!
  • Unterschrift verlangt ohne Grund. Wenn Sie ein kostenloses Angebot haben, vermuten manche Menschen irgendeine Fallgrube, wenn die Unterschrift geleistet werden muß.
  • "Bitte ausreichend frankieren" auf der Antwortkarte. Dieser Satz wird gern aufgebracht, damit man die Postkarten auch nach einer Porto-Erhöhung noch verwenden kann. Lassen Sie den Unsinn, ein paar tausend Postkarten wegzuwerfen ist viel billiger als 5% Reagierer zu verlieren. Denn manche Menschen wissen nicht, wie hoch das Porto für eine Postkarte derzeit ist. Dies führt zu Verunsicherung, senkt die Reaktionsquote. Nenne Sie das genaue Porto: "1 DM, die sich lohnt", oder, falls Sie die Schwelle niedriger setzen möchten "1 DM, falls Marke zur Hand". Wenn es für Ihre Zielgruppe schwierig sein kann, eine Briefmarke zu beschaffen, probieren Sie auch: "Porto zahlt Empfänger". Dies bringt erfahrungsgemäß deutlich mehr Reaktionen, allerdings ist die Antwortqualität schlechter (Siehe oben: Das Porto wirkt wie ein Filter vom Typ "Schutzgebühr").

Die Vermeidung dieser Dämpfer ist einfach: Gehen Sie Ihr Mailing wie mit einer Checkliste durch. Dem geringen Aufwand steht ein erheblicher Gewinn an Reaktionen entgegen, falls Sie tatsächlich einen dieser Dämpfer finden und ausmerzen.

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Web-Site an: webmaster@grutzeck.de . Zuletzt geändert am: 05. November 2003 . [home] [Impressum]